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Denkmalpflege

  • Zur Geschichte des Dorfes


    Varchentin liegt in der Nähe einer alten Slawensiedlung und wurde im Jahre 1333 erstmals urkundlich erwähnt.

    Von alten Kastanienbäumen umsäumt, zieht es sich hinunter bis zum Großen Varchentiner See.

    Das Schloß und die ehemalige Gutsanlage am Eingang des Dorfes zeugen von der einstigen wirtschaftlichen Größe des Ortes.

    Die Grundstruktur des Dorfes mit den typischen Landarbeiterhäusern wurde ca. 1827 durch die Familie von Ferber angelegt, die über 150 Jahre hier wirkten und die Grundlagen für ein modernes Dorf schufen.
    1835 erwarb Gottlieb Jenisch das Gut und prägte durch den Bau des Schlosses das heutige Erscheinungsbild des Dorfes. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges waren dessen Nachkommen (von Grote) Gutsherren in Varchentin, Carolinenhof und Groß Varchow.

     

    Das Schloß

    Gottlieb Jenisch, Sohn einer bekannten Hamburger Familie (Jenisch-Park) lässt nach Plänen des Schweizer Baumeisters Meron 1847 seinen Landsitz im Stil der englischen Tudorgotik, ganz im Geschmack seiner Zeit errichten.
    Der langgestreckte Putzbau (Ziegelsteine verputzt) gliedert sich in ein Haupthaus an das sich zu beiden Seiten Verbindungsbauten anschließen, die je von einem quadratischen Turm flankiert werden. Die Türme überragen selbst das Haupthaus, das zwei Vollgeschosse sowie eine halbe Etage hoch ist.
    In der Mitte befindet sich der etwas vorgezogene Haupteingang, der mit gothischen Filialtürmen geschmückt ist.
    Erst 1910 - 1912 wurde der Seitenflügel als Alterssitz von Otto Graf Grote erbaut, der 1890 auch das Mausoleum als Grabstätte von der Familie an der südlichen Parkflanke errichten ließ.

    Auf der Rückseite ist das Schloß in den Hang gebaut und Treppen führen aus dem Saal und den angrenzenden Räumen in den Park.
    Noch vor dem Bau des Schlosses lag ein Entwurf für einen Landschaftspark von Peter Joseph Lenné (1789 - 1866), dem königlich preußlichen Gartenbaudirektor vor.
    Der Park trägt seine Handschrift und so reichen die Blickachsen vom Schloß zum See, der durch einen Weg mit eingebunden ist und andererseits die Sicht auf das Schloß ermöglicht, das auf der Parkseite viergeschossig in den Hang gebaut ist.


    Die Kirche



    Unweit der Seen steht auf einer kleinen Anhöhe die Kirche am westlichen Dorfrand.
    Ursprünglich zog sich das Dorf entland der beiden Seen, so dass die Kirche mit Witwenhaus und Pfarrhof im Osten des Dorfes lag.
    Die ältesten Teile des Backsteinbaues stammen aus der Zeit des Übergangs vom römischen zum gotischen Stil des XIII. Jahrhunderts, erbaut um 1270-1280.

    Die Kirche gliedert sich in einen schmaleren Chor mit Kreuzgewölbe, dessen Ursprünglichkeit nicht sicher erscheint, da das Fachwerk aus dem 18. Jh. stammt und auf eine zeitweilig offene Ruine schließen lässt.
    Der Chor öffnet sich durch zwei gotische Durchgangsbögen zum breiteren Langhaus, das durch eine flache Bretterdecke überspannt ist. Wahrscheinlich ist auch dies auf eine bauliche Zerstörung zurückzuführen, da der bestehende Scheidepfeiler auf eine ursprüngliche Überwölbung mit 4 kleinen Kreuzgewölben, die auf einem zweiten Pfeiler lagerten, hindeutet. Damit wäre eine Teilung des Langhauses in 2 Schiffe ( Männer- und Frauenseite) denkbar.

    Die gemauerte Kanzel trägt einen hölzernen Deckel mit dem Ferberschen Wappen ( 1671- 1835 Patronat: Ferber bzw. Klinggräff ).

    Die Altarwand und die historische Wolfstellerorgel stammen aus der Zeit um 1850. Letztere wurde mit großzügiger Unterstützung der „Zeitstiftung“, mit Hilfe der Landeskirche, der Denkmalpflege und durch private Spender restauriert und erklingt heute wieder zu Gottesdiensten und Konzerten.
    Bemerkenswert sind zwei Buntglasfenster auf der Südseite, von denen eines eine Widmung und die Wappen der Witwe und der 3 Töchter von Gottlieb Jenisch trägt.
    Die Wappen können von links folgenden Familien zugeordnet werden: Lützow , Witwe / Jenisch , unverheiratete Tochter / Grothe, Schlosserbin / Vitzthum , jüngste Tochter.

    Der hölzerne quadratische Westturm mit seiner schmalen weithin sichtbaren Haube, wurde Ende des 19. Jhd. angefügt. Eine der drei Glocken, die 1912 erwähnt werden, wurde 1799 von K. von Klinggräff umgegossen.
    Heute hängt nur eine unbeschriftete Glocke im Turm.

    Der prächtige Japanische Schnurbaum, der sich vor den Exemplaren auf dem Gendarmenmarkt in Berlin nicht zu verstecken braucht, lädt heute gemeinsam mit dem Backhäuschen und dem Walnussbaum zum Verweilen auf dem Pfarrhof ein.
    Der Blick schweift über das Tiergehege und den großen See in die weite Landschaft und im Hofladen findet sich bestimmt eine mecklenburgisch - vorpommersche Spezialität aus der kleinen feinen Schlachterei, die im ehemaligen Pfarrstall zu Hause ist.