Japanischer Schnurbaum
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Eine gelbweiße Blütenpracht mitten im Spätsommer
Natur
Ein asiatischer Baum tanzt aus der Reihe: Blüht wie im Mai und unter seiner Krone rieselt‘s wie Schnee.
Von Silke Voß
Varchentin. Was ist das nur für ein Baum auf dem alten Pfarrhof in Varchentin? Blüht, als wär‘s mitten im Mai, verursacht einen weißgelb rieselnden Blütenschnee, als wär‘s mitten im Januar. Stellt man sich unter seine mächtige Krone, meint man sich unter einer summenden Glocke, so sehr lieben Insekten das späte Blühen. Ein Kind sagt: „Das klingt wie ein Motorengeräusch.“
Auf jeden Fall ist‘s eine Augenweide. „Es handelt sich um einen japanischen Schnurbaum oder auch Pagodenbaum“, klärt Gerda Lichtenau vom Pfarrhof die Fragen auf. „Der relativ selten gepflanzte Parkbaum blüht erst zwischen Juli und September, und seine Fruchtschoten nachher im Oktober sehen aus wie Perlen auf einer Schnur – daher sein Name.“...kann bis zu 1000 Jahre alt werden
Ursprünglich aus Ostasien, gerieten die ersten Samen um 1750 nach Paris und damit Europa, erklärt eine Tafel an dem imposanten Gewächs. Und nach Varchentin kam er vermutlich um 1850 mit dem Anlegen des dortigen Lenné-Schlossparks, denkt Landwirt Andreas Tornow vom Biomassehof Varchentin. Also wird der Exot wohl seine 150 Jahre auf dem Buckel haben – ein Knabe, denn er kann bis zu 1000 Jahre alt werden.
Über 20 Meter mag er hoch sein und ist laut Christa Lichtenau unempfindlich gegen Abgase – aber die muss er in Varchentin ohnehin kaum fürchten. Dieser Eigenschaft wegen finde man ihn eher als Alleenbaum, viel in Berlin. Doch auf einem mecklenburgischen Pfarrhof hat er entschieden mehr Platz.
Hier nutzt man die Blüten des Schnurbaums nicht wie in Ostasien zum Färben, die Früchte nicht als Heilmittel – hier dient er einfach zur Freude. Zum Beispiel von Familie Schiroth aus der Nähe von Stuttgart.
„Das ist schon was ganz Besonderes“, finden sie, so wie die Müritz-Region überhaupt ein ganz besonderes Erlebnis sei. Die Baden-Württemberger bereisen das erste Mal den deutschen Nordosten. Sie wollten „irgendwohin, wo sie noch nie waren“ – und haben die Seenplatte von vielen Bekannten wärmstens empfohlen bekommen.
14.08.2009, Müritz-Zeitung des Nordkuriers







